Yogapraxis

Auf die Matte kommen

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Ein bisschen was Religiöses hat es dann doch für mich, wenn ich auf die Matte komme. Ich weiß noch, wie früher als Meßdienerin mein Körper, genauer meine Beine bei den sonn-und feiertäglichen Messen in der Kirche mit den leicht gepolsterten Kissen auf den Steinfußböden in Berührung kam. Heute berühren meine Füße die Yogamatte. Oh Herrlichkeit! Wenn ich auf die Matte komme, komme ich raus aus dem Alltag und hinein in eine neue, unverbrauchte Situation, wie auf ein neues, leeres weißes Blatt Papier, auf dem Platz und Vieles möglich ist. Auf die Matte zu kommen gibt mir eine Gelegenheit, mir auf der Matte etwas zu erobern, es macht mich neugierig. Ich komme auf einen Grund, der mir gehört, auf dem ich etwas entdecken kann und zwar nicht bloß Fusel meines Handtuchs, das auf der Matte adrett zusammengefaltet liegt, damit ich beim Schwitzen nicht wegrutsche, sondern etwas über mich, meinen Zustand, hier und heute, jetzt. Die Matte ist für mich ein Grund, auf dem ich mich zeigen kann, aber nicht muss. Ein Grund, auf dem ich das Gefühl habe, dass ich mich in alle Richtungen bewegen kann, Freiheit. Wenn ich mit meinen Füßen im vorderen Mattenbereich stehe, geht Yoga los und irgendwann, wenn ich warm geworden bin, beweglicher und biegsamer und in die Samasthiti Haltung komme, passiert es mir schonmal, dass ich mit meinen Ballen und Fersen wie eine grazile Turnerin schwungvoll hin und her wippe, schmunzele und es kann gleich weiter gehen.